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Kleingärtnerverein Pillnitzer Gartenfreunde e.V. (1990 bis 2008 ) - Hochwasser 2002

Ein sehr ergiebiger Dauerregen im Böhmischen Kessel und in Sachsen, hier besonders im Osterzgebirge, führte zu einem gewalttätigen Hochwasser im Bereich der Elbezuflüsse und der Elbe selbst. Das Wasser zerstörte Gebäude, Verkehrswege und auch Grünanlagen. Allein in Sachsen waren 20 Tote zu beklagen. Viele Menschen wurden obdachlos. Auch in Pillnitz, besonders aber in Hosterwitz, kam es zu kritischen Situationen und auch zu Schäden.
Der Pegel der Elbe stieg am 17.August in Dresden auf 9,40 Meter und übertraf damit bekannte Wasserstände der letzten Jahrhunderte. Das Hochwasser überflutete auch Teile der Pillnitzer Kleingartenanlage. Es traten zwei zeitlich unterschiedliche Wasserereignisse auf:

Das Hochwasser des Meixbaches, welches durch starke Niederschläge im Bereich des Borsberges am 12.Ausgust ausgelöst wurde.
Von Wasser mitgeführtes Geröll verstopfte den Einlauf vom Meixbach, der im Bereich des Pillnitzer Schloßparkes unterirdisch geführt wird. Es entstand ein Wasserstau vor der Parkmauer, die parallel zur Orangeriestraße verläuft.
Der Bach bahnte sich, nach Bildung eines Sees entlang der Orangeriestraße, einen Wasserabfluss längs des Fußweges zur Fähre, der stark geschädigt wurde. Das Wasser verließ, besonders im Bereich der Parzellen 32 bis 36 und dem dortigen Gartentor, den Fährweg und floß durch die Kleingartenanlage.

Schäden entstanden in den Parzellen 38, 36, 32, 28, 26 und 18, ebenso am Hauptweg durch Auswaschung. Die Lauben wurden vor allem im Fundamentbereich betroffen. Es kam zum Absatz von Geröll und Sand. Die Oberfläche des Fährweges am Park und unserer Gartenwege wurden teilweise zerstört. Das Wasser floß in einer Stärke von wenigen Zentimeter quer durch die Gartenanlage. Diese Einwirkung erfolgte nur wenige Stunden, weil das Wasser sich nach einem Bruch  der Parkmauer einen Weg durch den Schloßpark suchte.

Die Flutwelle der Elbe überschwemmte am 17. August Teile des Pillnitzer Schlossparks und die Hälfte der Kleingartenparzellen in unserer Kleingartenanlage.

Der Verantwortliche für Arbeitseinsätze, Gartenfreund Eckehard Töpfer, hatte am Sonnabend, dem 17. August vormittags, einen Arbeitseinsatz zu Beseitigung von Schäden auf den Gartenwegen geleitet. Zu dieser Zeit stieg die Elbe so stark, daß die Gartenanlage von der Maillebahn her zu zwei Drittel überflutet wurde. Auf diese Situation waren die Bürger von Pillnitz und Hosterwitz nicht eingestellt, da das  Gelände nördlich des Pillnitzer Schlossparks optisch als eben erscheint. Aber selbst die Kleingartenanlage hat vom Park bis zur Leonardo-da-Vinci-Straße auf 200 m ein Gefälle von fast 2 Metern, was man kaum wahrnimmt.

Gartenfreund Fritz Bunge, der am Arbeitseinsatz beteiligt war, entnahm aus seiner Laube Kinderspielzeug, um es vor Wasserschäden zu bewahren. Er ahnte nicht, dass zu dieser Zeit seine Garage in Hosterwitz, etwa 700 m entfernt, vom Wasser geflutet wurde und sein Auto dadurch Totalschaden erlitt.
Im Bereich des Tores Leonardo-da-Vinci-Str. stand das Wasser mehrere Tage etwa 150 cm hoch. Es wurden 24 Kleingärten mit ihren Lauben überflutet, Gemüsekulturen, Stauden und Obstbäume geschädigt, teilweise vernichtet.

Schädigungen an den Anlagen des Vereins:

Die Elektroanlage des Vereins wurde durch Gartenfreund Dr. Jürgen Thomas rechtzeitig abgeschaltet. Zu diesem Zweck kam er in der Nacht nach Pillnitz, um Menschen und Material vor Schaden zu bewahren.
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Auch für die Wiederingangsetzung fühlte er sich verantwortlich. Nach Rückgang des Wassers waren die überfluteten Verteiler zu trocknen und zu säubern sowie Fi- und Schutzschalter zu ersetzen. Voraussetzung für die Zuschaltung durch die DREWAG war die Beurteilung der technischen Voraussetzungen durch die Firma Clemens, die bald erfolgte. Die Wasser- und Stromversorgung war dadurch nach wenigen Tagen wieder stabil. Auch die Schäden an den Gartenwegen und anderen Bereichen konnten schnell beseitigt werden.
Besonderen Dank für den Einsatz in der Anlage des Vereins verdienten sich die Gartenfreunde Eckhard Töpfer, Wolfgang Steinig, Eberhard Helfricht, Fritz Bunge, Annerose Liebscher, Siegfried Weigel u.a. Gartenfreunde.
Gegenüber anderen Kleingartenanlagen, die an Flüssen in Sachsen liegen, waren wir noch glimpflich davon gekommen.

Schädigungen der Gartenböden:
Da es sich beim Elbehochwasser in unserer Anlage vor allem um stehendes Wasser handelte, waren die Erosionsschäden auf den Parzellen und Gartenwegen gering. Das Wasser versickerte meist im Untergrund, was auf eine gute Durchlässigkeit des Bodens hinweist. Der Eintrag von Schlamm war mit 2 – 3 cm auf den Gartenböden kein Problem. Auf dem relativ geringen Wegeanteil konnte der Schlamm schnell abgetragen werden. Größere Befürchtungen gab es darüber, ob der Fluss giftige Substanzen angelandet habe, die eine Nutzung der Flächen für den Gemüseanbau ausschließen könnte. Beruhigend war, dass keine Öllachen auf dem Wasser beobachtet wurden. Es gab mehrere Gartenfreunde, die aus Sorge um die Gesundheit, ihre Pflanzenbestände, einschließlich Zierpflanzen, vernichteten.
Die betroffenen Bodenflächen wurden, nachdem es die Bodenfeuchte gestattete, umgegraben und mit Zwischenfrucht bestellt, um diese im kommenden Frühjahr einzugraben. Vor der Bestellung im kommenden Frühjahr wurden durch den Verein Bodenproben gezogen und diese, organisiert durch den Stadtverband Dresdner Gartenfreunde e.V., auf Schadstoffe untersucht. Im Ergebnis konnten keine gesundheitsschädigenden Konzentrationen von Schadstoffen festgestellt werden.
Die gewaltigen Wassermassen hatten vorhandene Schadstoffe im Wasser wohl stark verdünnt, der biologisch aktive Gartenboden baute eventuelle Einträge im weiteren Verlauf des Sommers nach der Flut aktiv ab bzw. ein. Auffallend in den folgenden Jahren war, dass durch Sameneinträge neue Pflanzenarten angesiedelt wurden. 

Schädigungen bei Gartenlauben und deren Inhalt
Möbel und Gegenstände in den Lauben wurden unbrauchbar bzw. geschädigt. Auch der Bienenstand des Gartenfreundes Dr. Hermann Laber wurde, bis auf ein Volk, vernichtet. Die unbrauchbaren Gegenstände wurden an der Straße gelagert und durch die Stadt abgefahren. Manches wurde auch voreilig entsorgt. So zeigte sich, besonders bei elektrischen Rasenmähern, dass sie nach gründlicher Trocknung wieder funktionierten.

Bei den betroffenen 24 Lauben, mit zwei Ausnahmen, handelte es sich um Holzlauben. Hier  wurden vor allem die Fundamente geschädigt, indem es zu Anhebungen der Grundplatten bzw. zu deren Bruch kam. Einzelne Lauben wurden auf ihren Fundamenten verschoben. Bei den Holzwänden der Lauben kam es zu Quellungen und Verwerfungen.
Die Lauben der Gartenfreunde Uhlmann und Münzenberg waren besonders betroffen, hier waren die Lauben auf den Fundamenten verschoben. Der Verein leistete aus Solidarität finanzielle und handwerkliche Unterstützung. Der Einsatz von Gartenfreund Siegfried Weigel ist besonders hervorzuheben. Aus den Darstellungen wird ersichtlich, dass ein erheblicher Teil unserer Kleingärtner Belastungen durch das Hochwasser zu ertragen hatte. Einige unserer Kleingärtner, besonders die Gartenfreundin Uhlmann, erlitten auch in ihren Wohnungen erheblichen Schaden.

Unterstützung der Gesellschaft für die Geschädigten der Hochwasserkatastrophe
Durch den Umfang der eingetretenen Schäden, entwickelte sich in Deutschland eine umfassende Hilfe für die Geschädigten. Auch die Kleingartenanlage in Pillnitz  erhielt Hilfsangebote und Unterstützung.
Mehrere Kleingartenvorstände, besonders aus Westdeutschland, fragten an, ob wir Schäden hätten, sie wollten Spenden übergeben. Auf Grund unserer weniger betroffenen Situation flossen diese Spenden stärker geschädigten Vereinen zu.
Eine echte Unterstützung für uns Kleingärtner war die teilweise Befreiung von der Pachtzahlung für das Jahr 2002 durch die Stadt Dresden und die kostenlose Entsorgung der geschädigten Gegenstände aus der Anlage.
Es bestand für geschädigte Kleingärtner die Möglichkeit, aus dem Spendenfonds des Bundespräsidenten Unterstützung zu beantragen. Dem Vorstand wurde bekannt, dass auch Kleingärtner aus unserer Anlage finanzielle Zuwendungen erhielten.
In Dresden und Umgebung wurde eine größere Anzahl von Kleingartenanlagen sehr stark geschädigt, einige mussten wegen ihrer ungünstigen Lage an Gewässern aufgegeben werden. Im Frühjahr 2003 bewarben sich zwei Kleingärtnerfamilien für einen Garten bei uns, weil sie ihre bisherigen Gärten infolge von Hochwasserschäden aufgaben.
Das Ehepaar Alke hatten in Heidenau einen Totalverlust erlitten, alle Garteneinrichtungen und Geräte waren von der Flut weggetragen worden. Sie betrachteten ihre Gartenkarriere damit als beendet. Im folgenden Frühjahr regte sich ihre Sehnsucht nach einem Garten erneut. Sie schauten sich frei gewordenen Gärten in unserer Anlage an und wurden mit fast 70 Jahren  Mitglieder in unserem Verein.  Ja, so sind echte Kleingärtner!

Zur Auswertung des Hochwasserereignisses in der Stadt Dresden.
Für städtebauliche Entscheidungen sind die Wasserstände an den betreffenden Abschnitten bei den jeweiligen Dresdner Pegelständen von Bedeutung. Mit Hilfe eines Aufklärungsflugzeuges der Bundeswehr wurden täglich von Hamburg beginnend bis zur Staatsgrenze Luftbildaufnahmen von den jeweiligen Wasserständen hergestellt und ausgewertet. Auf dieser Grundlage konnte das Dresdner Umweltamt für das Stadtgebiet die Grenzen der Überflutung für jeden Tag feststellen. Ein Auszug für den Bereich unserer Kleingartenanlage zeigt sehr deutlich die Grenzen der Überflutung beim höchsten Pegelstand. am 17. August.  Nach dem Pillnitzer Pegel hat es einen gleichen Stand im März 1848 gegeben. Wir wollen hoffen, dass es sich um ein Ereignis im Jahrtausend gehandelt hat.

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