gartenfreunde-logo

 

Kleingärtnerverein Pillnitzer Gartenfreunde e.V. (1990 bis 2008 ) - Gründung

Die politische Wende 1989 und die deutsche Einheit 1990 brachten bedeutende Veränderungen  für das Kleingartenwesen und damit auch für die Kleingärtnersparte Pillnitz. Auf der Grundlage des Vereinigungsgesetzes vom 21.02.1990, das von der Modrow- Regierung in die Volkskammer eingebracht wurde, mussten Vereine und deren Verbände sich auf Basis eigener Satzungen neu gründen und registrieren lassen. Weitere Anpassungen waren nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik notwendig. Für die Pillnitzer Kleingärtner galt es, einen Kleingärtnerverein zu gründen, der die Traditionen der Pillnitzer Kleingärtner fortsetzt und Bedingungen schafft, seine Arbeit auf demokratischer Grundlage fortzusetzen.
Auf der Sitzung am 19. April 1990 beschäftigte sich der Vorstand mit der neuen Situation und unternahm erforderliche Schritte zur Gründung des neuen Vereins und bereitete die Gründungsversammlung für Mitte Mai vor.
Die Mitglieder wurden durch einen Aushang vom 26. April (Anlage 37) über die neue Lage informiert, es wurde auf die erforderliche Gründungsversammlung hingewiesen und um Vorschläge gebeten. Der Vorstand erarbeitete eine Satzung, für die ein Muster vom Stadtverband vorlag. In dieser Satzung wurde auf die Traditionen der Pillnitzer Kleingärtner Bezug genommen. Der Verein erklärte sich zum Rechtsnachfolger der Kleingärtnersparte Pillnitz des VKSK. Damit blieben die Nutzungsverträge der Kleingärtner weiter gültig.

Die Gründungsversammlung fand am 14.Juni 1990, um 18.00 Uhr (Anlage 38), im Speiseraum des Institutes für Obstforschung Pillnitz statt. Der bisherige Vorstand legte Rechenschaft über die Arbeit des vergangenen Jahres ab und gab den Kassenbericht. Nach Anhörung der Revisionskommission und anschließender Diskussion wurde der Vorstand entlastet.
Der Entwurf der Satzung wurde vom Vorstandsmitglied Wolfgang Bach vorgetragen und zur Diskussion gestellt. Vier Gartenfreunde stellten Anfragen und äußerten ihre Meinung zu Problemen des Satzungsentwurfes. Änderungsvorschläge wurden in den Entwurf aufgenommen. Aufgeworfene Fragen wurden durch die Vorstandsmitglieder beantwortet. Die Satzung wurde durch die 41 anwesenden Mitglieder angenommen. Dann wurde der Vorstand einstimmig gewählt. Er bestand, bis auf Gerhard Vehlow, der auf eigenen Wunsch ausschied, aus den Mitgliedern des Vorstandes der bisherigen „Kleingärtnersparte Pillnitz“. Das war wohl ein Ausdruck des Vertrauens zur bisherigen Arbeit und der Erkenntnis, dass der bisherige Vorstand den schwierigen Weg in neue Zeiten gemeinsam mit den Mitgliedern finden wird. Außerdem war die Bereitschaft, eine ehrenamtliche Last auf sich zu nehmen, bei vielen der meist schon betagten Mitglieder nicht ausgeprägt.

Damit war die Gründung des Vereins vollzogen. Mit der Registrierung am 05.10.1990 beim Kreisgericht Dresden wurde der neue Verein rechtskräftig (Anlage 39). Im Prozess der Anpassung an Bundesrecht waren noch zwei Veränderungen  notwendig. Die am 24.April 1990 beschlossene Satzung ist in der Fassung vom 07.04.1992 und mit der am 17.04.1999 eingearbeiteten Ergänzung heute noch gültig, was auf eine gute Qualität bei der Erarbeitung hinweist.

Gründung des Stadtverbandes „ Dresdner Gartenfreunde“ e. V. am 16.06.1990
Im Rahmen des VKSK bestanden fünf Stadtbezirksverbände in der damaligen Bezirkshauptstadt Dresden. Die „Kleingärtnersparte Pillnitz“ war in der des Stadtbezirkes Dresden Ost organisiert.
Auf dem 1. Kleingärtnertag Dresden am 19.06.1990 wurde der Stadtverband “Dresdner Gartenfreunde“ e. V. gegründet. Bei der Neuorganisation des Kleingartenwesens in der Stadt gab es eine Reihe Auseinandersetzungen. Die Kleingärtnervereine des Stadtbezirkes Dresden Nord gründeten einen eigenen Verband, was zur Folge hatte, dass die Dresdner Kleingärtnervereine nicht mit einer Stimme gegenüber der Stadtverwaltung und anderen Einrichtungen sprechen konnten.
Für den Vorstand des Pillnitzer Vereins war zu jeder Zeit klar, sich dem Stadtverband „Dresdner Gartenfreunde“ anzuschließen, weil die neuen Möglichkeiten und Bedrohungen eine enge Zusammenarbeit aller Kleingärtner erforderten. Der Stadtverband, inzwischen Vertreter aller Kleingärtner aus Dresden und des Umlandes, ist eine bedeutende Autorität in der Stadt Dresden und wirkt als Generalpächter des gesamten Kleingartenlandes.

Der damalige Vorsitzende des Vereins, Horst Henke, ab 01.09.1990 im Vorruhestand, stellte sich schon im Herbst 1990 dem neuen Stadtverband als Fachberater zur Verfügung und war mehrere Jahre Mitglied im Vorstand des Stadtverbandes. Im Rahmen dieser Tätigkeit nahm er an Reisen zu Kleingärtnerorganisationen in den alten Bundesländern teil und konnte deren  Arbeitsweise studieren, so zum Landesverband nach Hamburg, zum Stadtverband Stuttgart und zu einer Informationsreise nach Bayern.
Die gewonnenen Informationen und Erfahrungen fanden bei der Neubildung des Vereins und der weiteren Vorstandsarbeit Anwendung.

Gründung des „Landesverbandes Sächsischer Kleingärtner“(LSK) am 23.06.1990
Mit dem Wiederentstehen des Landes Sachsen im Jahre 1990 war es notwendig, den LSK zu gründen, der sich auf die Traditionen früherer Landesverbände stützte.
Der am 23.06.1990 gebildete Landesverband der Sächsischen Kleingärtner (LSK) schloss sich am 06.04.1991 als einer der ersten Landesverbände dem Bund deutscher Gartenfreunde (BDG) an, dem die anderen ostdeutschen Landesverbände mit zeitlicher Verzögerung folgten. Der BDG verdoppelte mit der Aufnahme der ostdeutschen Kleingärtner seine Mitgliederzahl. Der BDG leistete den ostdeutschen Kleingärtnervereinigungen eine bedeutende Hilfe bei der Anpassung an die neue Rechtslage, aber auch bei der Verteidigung der ostdeutschen Kleingärten gegen Ansprüche von Behörden und Grundbesitzern.
Gesetzliche Grundlage für das Kleingartenwesen in der BRD ist das seit 1983 gültigen Bundes- Kleingartengesetz. Im Vereinigungsprozess wurde, vom BDG veranlasst, das Gesetz um den § 20a erweitert. Die darin getroffenen Festlegungen sicherten den ostdeutschen  Kleingärtnern ihre Gärten, zumindest für eine Übergangszeit und bestimmten die Ziele und Methoden der weiteren Arbeit.
Die lange gemeinsame Vorgeschichte der deutschen Kleingärtnerbewegungen hatte über die 40- jährige Trennung hinaus, in beiden deutschen Staaten noch wesentliche Gemeinsamkeiten bewahrt. So war der Prozess des Überganges in den Vereinen nicht besonders kompliziert.
Es gab in den Vereinen auch Leute, die glaubten, dass nun alles erlaubt sei. In der Diskussion waren: Kauf der Grundstücke, Kleingärten zur reinen Erholungsnutzung nach eigenen Vorstellungen, radikale Entfernung der Obstgehölze u. a. Im Pillnitzer Verein waren solche Bestrebungen kaum zu spüren.

Die Satzungen und Gartenordnungen in West und Ost, als Grundlage des  Zusammenlebens, hatten viel gemeinsames, aber oft unterschiedliche politische Hintergründe, z.B. die Forderung nach kleingärtnerischer Nutzung.
In der DDR sollte der Vorstand die Kleingärtner veranlassen, viele gärtnerische Produkte zu erzeugen um einen Beitrag zur Versorgung der Familie zu leisten und Überschüsse zu verkaufen. Als Richtwert galt, mindestens 1/3 der Gartenfläche sollten dafür genutzt werden.
Gegenwärtig muss sich der Vorstand  bemühen, dass auf einem 1/3 der Fläche Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angebaut wird. Sonst besteht die Gefahr, dass die kleingärtnerische Gemeinnützigkeit entzogen wird. Was wiederum den Erhalt der Gartenanlage gefährdet.

Neue gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Pillnitzer Kleingärtner

Sorgen um den Erhalt der Kleingärten in den neunziger Jahren.
Über einzelne Beispiele und Gerüchte entstanden Befürchtungen, dass in der Stadt Dresden auf Grund von Rückgabeansprüchen der ehemaligen Grundstückseigentümer und Interessen von Investoren, viele Kleingartenflächen aufgegeben werden müssen. Genährt wurden derartige Ängste durch Arbeiten der Stadtverwaltung im Jahre 1992 am Flächennutzungsplan, dessen erster Entwurf die Aufgabe von über einem Drittel der Kleingartenfläche vorsah. Das löste heftige Proteste der Kleingärtner aus. Im Kampf um die Erhaltung der Kleingartenflächen bewährte sich der Vorstand des Stadtverbandes“ Dresdner Gartenfreunde“ e. V., unter Leitung von Gartenfreund Heinz Kasper.
Die Bodenfläche des Pillnitzer Vereins, in der DDR Volkseigentum, ging in Eigentum der Landeshauptstadt über und ist im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen, was dem Verein eine gewisse Sicherheit der weiteren Flächennutzung bietet. Da ein neuer Bebauungsplan für das Gebiet von Pillnitz bisher nicht erarbeitet wurde, fehlt bis zum heutigen Tag eine Festschreibung als Kleingartendaueranlage.

Neue finanzielle Bedingungen
Mit der Einführung der Deutschen Mark (DM), noch vor der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, am 1. Juli 1990, standen die Bürger und auch der Verein vor bedeutenden Veränderungen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite. Es erfolgte eine relativ schnelle Anpassung an westdeutsche Preise, aber eine langsame, bis heute noch nicht abgeschlossene, Anpassung der Einkünfte der Bevölkerung.
Gegenüberstellung der Ausgaben für einen Kleingarten in Pillnitz 1989 und 1994

Position

1989 DDR Mark

1994 DM

Steigerung %

Mitgliedsbeiträge

12,00

26,00

216

Pacht / Grundsteuer.

  0,02

  0,24

1200

Wassergeld m3

  0,20

  2,00

1000

Von Seiten des VKSK gab es einheitliche Mitgliedsbeiträge in Höhe von 12 Mark der DDR im Jahr. Von diesen waren 6,- Mark an den Verband abzuführen. Bei etwa 60 Vereinsmitgliedern stand für die Vereinstätigkeit eine bescheidene Einnahme von 360 Mark zur Verfügung. Fast alle Werterhaltungsmaßnahmen wurden durch Vereinsmitglieder erledigt, wobei die erforderlichen Materialien billig beschafft werden mussten.
Es ist erstaunlich, dass trotz vieler neuer Belastungen und Unsicherheiten und der besseren Bedingungen, Obst und Gemüse leicht und preiswert zu kaufen, fast alle Mitglieder im Verein blieben und zunehmend die Bereitschaft geweckt werden konnte, zusätzliche Mittel zur Verbesserung der Kleingartenanlage aufzubringen.
Überlegungen zur langfristigen Nutzung der Kleingartenanlage durch kontinuierliche Gewinnung neuer Mitglieder zur Besetzung der freiwerdenden Parzellen.
Mit der Wende ging die Nachfrage nach Kleingärten zurück. Eine Warteliste war nicht mehr erforderlich. Als Ursachen sind anzusehen:

  • Erhebliche Steigerung der Kosten: beim Erwerb des Gartens, bei der Abgeltung der Verpflichtungen gegenüber dem Verein ( Mitgliedsbeiträge, Umlagen und Pacht) und den Bewirtschaftungskosten (Saatgut, Düngemittel u. a.).
  • Verbesserung der Einkaufsbedingungen für Ost und Gemüse im Handel,
  • Erwerb von Eigenheimen mit Garten, besonders durch jüngere Kleingärtnerfamilien,
  • Permanente Abwanderung von jüngeren Leuten in Richtung Westen.
  • Hohe Bestandsdichte an Kleingärten in der Stadt Dresden und Umgebung bei einer älter werdenden Bevölkerung.

Damit kamen die Kleingärtnervereine in eine Konkurrenzsituation. Ein Bewerber kann wie ein Autokäufer unter vielen Angeboten auswählen. In Pillnitz wurde erkannt, nicht zuletzt durch die Erfahrungen des Vorsitzenden bei der Tätigkeit im Stadtverband, dass die Anlage in Pillnitz auf lange Sicht nur gehalten werden kann, wenn:

  • die Bewerber annehmbare Bedingungen in einer intakten Gartenanlage vorfinden,
  • die Übernahmekosten sich in Grenzen halten,
  • eine ökologische Gartenbewirtschaftung vorherrschend ist,
  • zwischen den Mitgliedern freundschaftliche Beziehungen bestehen.

Wenn auch bei den  traditionell wirtschaftenden Pillnitzer Kleingärtnern nach der politischen Wende keine einschneidenden Veränderungen in der Mitgliedschaft eintraten, war der Vorstand damit konfrontiert, dass die Bewerberliste leer wurde und für jeden Gartenwechsel Anstrengungen notwendig waren, um neue Kleingärtner zu finden.

Das Durchschnittsalter der verbleibenden Kleingärtner erhöhte sich immer weiter. Im Jahr 1999 waren von 82 Kleingärtnern und ihren Partnern 34 über 65 Jahre alt, das entsprach einem Anteil von 41. %. Der hohe Anteil älterer Menschen an der Mitgliedschaft ist ein Beleg für die soziale Funktion des Kleingartenwesens, aber auch einer ungünstigen  Altersstruktur der Gesamtbevölkerung. Neu war auch, dass einzelne, meist junge Familien, ihre Gärten kündigten, weil sie Häuser erworben hatten. Jährlich gab es auf  2 bis 3 Parzellen Wechsel der Gartennutzer.

Der Vorstand konzentrierte sich bereits ab 1991 zielstrebig auf Maßnahmen zur Verbesserung der Kleingartenanlage. Es wurde angestrebt, für die vorhandenen und die zukünftigen Mitglieder, die Anlage möglichst attraktiv zu gestalten. Günstige Umstände sind  dabei die Lage am Schlosspark und für weniger bemittelte Bewerber die preiswerten kleinen Lauben.

Es ist in den nächsten Jahren zu erwarten, dass sich der Umfang der Abgänge erhöht und damit der Gewinnung neuer Mitglieder entscheidende Bedeutung zukommt. Ab dem Jahr 2002 blieben einige Gärten über längere Zeit unbesetzt.

Inhaltverzeichnis Chronik ||| Zurück zur Homepage

(Das Copyright dieser Chronik liegt beim Kleingärtnerverein Pillnitzer Gartenfreunde e.V. -
Vervielfältigungen, einzelne Entnahmen von Textstellen bzw. Fotos bedürfen der Zustimmung !)