Kleingärtnersparte Pillnitz (1953 bis 1990) - Periode Gerhard Vehlow
Von 1968 bis 1981 war Gärtnermeister Gerhard Vehlow Vorsitzender der Sparte. Aus der Periode der Tätigkeit von Arno Kirst sind nur wenige Dokumente im Vereinsarchiv vorhanden. Der plötzliche Herztod von Arno Kirst verhinderte wohl eine geordnete Übergabe der Geschäfte und damit von vorhandenen Unterlagen. Mit Übernahme des Amtes des Vorsitzenden der Sparte durch Gerhard Vehlow sind wieder aussagefähige Unterlagen erhalten geblieben.
Gartenfreund Vehlow, aus den Ostgebieten stammend, konnte sich auf die Pillnitzer Mitglieder des bisherigen Vorstandes stützen, der durch die Wahl der Fachschullehrer Wolfgang Bach und Fritz Bunge ergänzt wurde. Damit wurde auch der Veränderung der Zusammensetzung der Mitgliedschaft entsprochen.
Da zu dieser Zeit eine große Nachfrage nach Kleingärten bestand, so dass Wartelisten existierten, konnte der Fachmann Vehlow gewonnen werden, indem er vorrangig einen Garten zugeteilt bekam. Derartige Methoden kamen in der damaligen Zeit auch zur Anwendung, um bestimmte Handwerker in die Sparten zu bekommen.
Mit dem VKSK, als Massenorganisation im Sozialismus, entwickelte sich eine langfristige und parteipolitisch orientierte. Arbeitsweise in den Sparten. Auf den Jahreshauptversammlungen wurden „Arbeitsentschließungen“ später „Wettbewerbsprogramme“ beschlossen, in denen Ziele für die Tätigkeit der Sparte für das betreffende Jahr festgelegt waren.
Die jeweiligen Aufgabenstellungen wurden aus gesamtgesellschaftlichen Ereignissen, wie Parteitagen der SED, Jahrestagen der DDR, Karl Marx-Ehrungen und anderen politischen Ereignissen und volkswirtschaftlichen Zielstellungen meist recht formal abgeleitet. Nach diesem Schema waren ebenfalls die jährlichen Rechenschaftsberichte der Vorstände aufgebaut (Anlage 22).
Eine wesentliche Aufgabe des Vorstandes der damaligen Zeit bestand darin, die Kleingärtner auf der Grundlage der Gartenordnung zur intensiven Nutzung des Gartenlandes für die Erzeugung von Obst und Gemüse anzuregen und zu befähigen.
Die Produktion von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf war von Anfang an eine wesentliche Zielstellung und entsprach zu dieser Zeit den Interessen der Mitglieder und der Gesellschaft. Erzeugte Mengen über den eigenen Bedarf konnten zu günstigen Preisen an Handelseinrichtungen verkauft werden.
In den siebziger Jahren gab es im Kleingartenwesen der DDR, stärker noch in der alten Bundesrepublik, zunehmend Mitglieder, die vor allem in der Erholungsfunktion das Ziel der Gartennutzung sahen, was sich bis heute immer weiter verstärkt hat. Damit wird ein wesentliches Anliegen der Kleingärtnerbewegung aufgegeben und die Gefahr beschworen, die Kleingartenpacht in den Strudel der Marktgesetze zu treiben.
In der Pillnitzer Kleingartenanlage erzeugt die Mehrheit der Kleingärtner bis in die heutige Zeit bewusst ein Teil ihres Obst- und Gemüsebedarfes, obwohl Ost und Gemüse im Handel preiswert und zumindest äußerlich in guter Qualität zu haben ist.
Zur Förderung des Anbaus von Obst und Gemüse gab der VKSK die Losung heraus, „Ein produktiver Garten ist auch ein schöner Garten“. Als Orientierung galt, auf 100 m2 Kleingartenland 100 kg Obst und Gemüse zu erzeugen. Für die Pillnitzer Gartenfreunde war das auch ohne Losung kein Problem. Bei der Mehrzahl der Kleingärtner gab es aus fachlichem Interesse das Bemühen, möglich viel zu erzeugen und zu verwerten. Der Verkauf von Produkten spielte eine geringere Rolle, zumal es in dem doch mehr ländlichen Gebiet schwierig war, die jeweils kleinen Posten zu verkaufen. Ausgeprägter war, die Überschüsse an Verwandte und Bekannte abzugeben.
Für strebsame Kleingärtner ist die Ertragserfassung eine interessante Kontrolle des gärtnerischen Erfolges. Für die Sparte war die innerhalb von Wettbewerben geforderte Ermittlung des Gesamtertrages schwierig, weil nur jeweils einige Kleingärtner sich die Mühe machten, die Erträge nach Gewicht zu erfassen.
Unser Gartenfreund Kurt Preusler war im Rahmen seiner Berufstätigkeit als Schätzer bei der Gärtnerversicherung tätig und ermittelte mit relativ geringem Zeitaufwand die Erträge in einigen Gärten und errechnete den Gesamtertrag genauer, als es durch Befragungen der Mitglieder möglich war. So konnte der Vorstand der Sparte die Leistungen der Kleingärtner gut einschätzen und die gewünschten Ertragsmeldungen an den Stadtvorstand weitergeben.
Die erreichten Ergebnisse in der Tabelle wurden aus den Berichten der jeweiligen Wahlversammlungen entnommen:
Erträge im Berichtszeitraum:
Obst in kg Gemüse in kg kg/m2
1972 6180 4500 0,72
1973 15700 7210 1,54
1974 8900 6200 1,02
Die Ermittlung der Ertragsleistungen wurde bis zur politischen Wende 1989 vorgenommen. Durch den Vorstand wurde den Gartenfreunden Fachberatung in Form von individuellen Gesprächen und Fachvorträgen gewährt. Regelmäßig wurden Bodenuntersuchungen auf Nährstoffgehalte, verbunden mit einer Düngungsberatung, vorgenommen.
Da die Versorgung mit Mitteln für die Gartenbewirtschaftung schwierig war, übernahm es die Sparte, ihren Mitgliedern Düngemittel, Baumaterialien und Pflanzen zu beschaffen. Der Verkauf an die Mitglieder wurde über Jahrzehnte durch Kurt Preusler und später durch Helmut Metschke erledigt.
Aufgabe des Vorstandes war es auch, die jährliche Organisation der damals üblichen Winterspritzungen bei den Obstgehölzen und die Abfuhr von Gerümpel aus der Anlage zu organisieren.
Notwendige Werterhaltungsmaßnahmen und Verbesserungen der Gartenanlage wurden auch in dieser Periode entsprechend den Möglichkeiten durchgeführt, zum Beispiel:
- Bau eines Drahtzaunes und eines neuen Tores an der heutigen Orangeriestraße.
- Erneuerung der Tore am Hauptweg durch den „Holzwurm“ Max Hirschnitz.
- Ergänzung der Wasseranlage durch Wasseranschlüsse an fast allen Gärten durch Gartenfreund Potschwat.
- Verbesserung der Gartenwege, besonders an der Steigung zur Orangeriestraße. Hier war besonders der Gartenfreund Ernst Fritsche aktiv.
- Unterstützung der Nutzer bei Werterhaltung an den Lauben. Die Lauben befanden sich zu dieser Zeit noch in Eigentum des Vereins
Für die aktive Arbeit wurde die Sparte mehrfach ausgezeichnet, so zum Beispiel im Rahmen des Wettbewerbes“ Schöner unsere Städte und Dörfer“ mit einer Urkunde und einer Prämie von 100 Mark.
Im Zusammenhang mit den Jahreshauptversammlungen, bzw. den im Abstand von 2 Jahren stattfindenden Wahlversammlungen, wurden Tanzveranstaltungen in der Schlossschänke Pillnitz oder im Sportkasino Oberpoyritz durchgeführt. Zeitweilig gab es sogar eine eigene Tanzkapelle, die zum Tanz aufspielte (Anlage 23).
Mehrere Jahre versuchte Gerhard Vehlow aus beruflichen Gründen die Funktion wieder abzugeben. Möglich wurde es erst 1982, als sich Horst Henke bereit erklärte, die Aufgabe zu übernehmen.
Gerhard Vehlow war damit über 13 Jahre erfolgreich tätig zum Wohle der Mitglieder und des Kleingartenwesens.
Der Kampf um den Erhalt der Kleingartenanlage 1970 bis 1972

Zu Beginn der Amtsperiode Vehlow war eine große Gefahr für den Erhalt der Kleingartenanlage Pillnitz durch das Vorhaben „Freizeitzentrum Pillnitz“ entstanden (Anlage xx).
Mit der Verbesserung des Wohlstandes der Stadtbevölkerung und der damit verbundenen Verkürzung der Arbeitszeit, besonders nach Einführung der arbeitsfreien Sonnabende in der DDR, entstanden neue Bedürfnisse im Freizeitbereich. So wurde 1970 durch die Stadt Dresden ein Freizeitzentrum als sogenanntes Naherholungsgebiet in Pillnitz geplant. Der Pillnitzer Park sollte um einen modernen Erholungsbereich mit Spielfeldern, Liegewiesen u. a. erweitert werden. Dafür war die Fläche nördlich der Maillebahn bis zur Leonardo da Vinci- Straße vorgesehen. In dieser Zeit entstand ebenfalls die Straßenbahnschleife Pillnitz.
In den Bereich der Kleingartenanlage sollte die Schlossgärtnerei verlegt werden. Damals erzeugte die Schlossgärtnerei, auf einer Fläche in der Nähe des Palmenhauses, vor allem die erforderlichen Blumenpflanzen für den Lustgarten. und andere Bereiche
Der Verband der Siedler und Kleingärtner (VKSK) und der Ortsauschuss der Nationalen Front stellten sich schützend vor die Kleingärtner. Es kam zu langwierigen Auseinandersetzungen, über die die nachfolgenden Auszüge aus dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes im Jahre 1971 einen Eindruck vermitteln.
"Unsere Jahreshauptversammlung sollte Anlass sein, über im vergangenen Jahr mit den betreffenden Dienststellen des Rates der Stadt geführten Aussprachen zu berichten. Ihnen war bekannt, dass unsere Anlage 1971 in die Schlosserweiterung einbezogen werden sollte. Zur Erläuterung des Planes hatten wir zur Jahreshauptversammlung am 23.4.1970 die Mitarbeiter der verantwortlichen Dienststellen eingeladen. Es ergaben sich jedoch keine konkreten Schlussfolgerungen. In den Diskussionsbeiträgen von Frau Dr. Noll, Mitglied des Zentralvorstandes des VKSK und Koll. Grahl, Mitglied des Kreisvorstandes und weiterer Mitglieder
unserer Sparte, wurde nochmals auf die Bedeutung der Anlage in ökonomischer Hinsicht sowie die der Freizeitbetätigung und Naherholung unserer Mitglieder und Familienangehörigen hingewiesen. Eine von Koll. Betka verfasste Entschließung wurde einstimmig angenommen und" an ..............." weitergeleitet. In den darauf folgenden Vorstandssitzungen erhielt Koll. Lippert den Auftrag, einen Diskussionsbeitrag zur Kreisdelegiertenkonferenz auszuarbeiten und vorzutragen. Der Auftrag wurde erfüllt."
"Da sich aber im Verlaufe des Sommers nichts weiter ereignete und die Zeit der Bebauung näher rückte, richtete ich im Auftrage des Vorstandes eine Eingabe an den Rat des Bezirkes, welche an den Rat der Stadt weitergeleitet wurde.
Ebenfalls richtete Koll. Betka im Interesse aller Mitglieder eine Eingabe an den Oberbürgermeister. Die konkreten Antworten blieben jedoch lange Zeit aus. Auch in den Einwohnerversammlungen des Wohnbezirkes kam dieses Problem erneut zur Sprache. Eine am 3.12.70 durchgeführte Einwohnerversammlung gab dann weiteren Aufschluss über den weiteren Verlauf der Dinge."
"Für den 4.12.70 waren die Koll. Betka und Vehlow auf Grund der Eingaben zu einer Aussprache ins Rathaus geladen. Es wurde über die vorgenannten Probleme gesprochen und ein Protokoll verfasst. (das Protokoll wird verlesen.)."
Nach langen Bemühungen, deren Aktionen nicht alle genannt werden, konnte die Gefahr gebannt werden. Die Last wurde von einer kleinen Gruppe Verantwortungsbewusster getragen. So waren zu der oben genannten Einwohnerversammlung leider nur wenige Mitglieder der Sparte erschienen.
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